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Die Motorradodyssee Teil 2 – Horrorfahrt mit dem neuen Bike

Du hast den ersten Teil der Serie verpasst? Ließ hier, wie wir unser Bike in Luang Prabang gekauft haben.

Die Reise nach Vang Vieng beginnt

Mit mulmigem Gefühl machten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg. Wir verschnürten unsere 2 Trekkingrucksäcke, 2 Tagesrucksäcke und eine Gitarre am Motorrad, holten unsere Ausweise mit druckfrischen Vietnamvisa ab und los ging es nach Vang Vieng. Fast 200 km wollte wir an diesem Tag schaffen. Doch wir hatten die mächtigen Berge unterschätzt. Serpentinenweise schraubten wir uns in die Höhe. Immer mehr Karstfelsen stellten sich in unseren Weg und zwangen das Motorrad ans Äußerste zu gehen.

Vang Vieng4

Zumindest die Aussicht war super

Der Motor begann nach etwa 100 km heftig zu dampfen an. Mehrere Stops waren nötig, um Öl nachzufüllen und den Motor mit Wasser zu kühlen. Der Verkäufer warnte uns schon, dass das Bike viel Öl verbrauchen würde, aber mit einem Liter auf 100 km hatten wir nicht gerechnet. Im ersten Gang quälten wir uns die Berge hinauf. Doch das war in Ordnung, schließlich ging es stetig voran. Bestimmt würden wir bald in Vang Vieng ankommen. Das war eine Fehleinschätzung.

Dann floß Blut

Hütten im Bergdorf

Hütten im Bergdorf

Raphael versuchte auf der „Haupstraße“ eines Bergdorfes einem tiefen Schlagloch auszuweichen. Doch es war zu spät. Wir verloren das Gleichgewicht und legten uns vor den Augen der Dorfbewohner mitten auf die Straße. Wie im Zeitlupentempo sah ich Raphael vom Motorrad rollen. Das Gepäck federte meinen Sturz, aber mein Knie und mein Fuß schürften sich dennoch auf dem Schotterweg auf. Ich fühlte mich mit zerrissener Hose zerrissen und blutigem Knie wie eine Zehnjährige. Raphael und das Bike hatten nur Kratzer abbekommen. Alles halb so schlimm. Es ging im Schneckentempo weiter.

Wir konnten nicht mehr bremsen

Nach einer weiteren Stunde durchkreuzte ein quer stehender Lastwagen unseren Weg. Er nahm fast die gesamte Breite der Fahrbahn ein, so dass nur Motorräder an ihm vorbei fahren konnten. Wir wagten das Manöver und sahen zu spät, warum sich sonst kaum jemand an ihm vorbei schlängelte. Öl lief aus und bildete ein stetiges Rinnsaal, das sich bis zum Abhang ergoß. Wir fuhren durch die Öllache und bemerkten erschrocken, dass wir nicht mehr bremsen konnten. Recht und links entlang der Fahrbahn standen Vans, Autos, Bikes und ihre Fahrer. Auf der linken Seite wartete außerdem der steile Berghang auf uns. Wir hatten nur eine kleine Gasse zum Manövrieren.

Ich war in Panik. Wir würden sicherlich einige Autos rammen und dann wieder auf der Straße landen. Im schlimmsten Fall wäre es der Abgrund geworden. Diverse Szenarien liefen vor meinen Augen ab. Die wartenden Frauen und Männer begannen zu schreien, als sie uns die Straße hinabschlittern sahen. Wir streiften einen Motorradfahrer und dann war es vorbei. Raphael hatte uns sicher durch diese brenzlige Situation gebracht. Das Öl von unseren Reifen war abgefahren. Außer verrutschtes Gepäck hatten wir nichts zu beklagen. Ich war unendlich Stolz auf Raphaels Fahrkünste und sehr erleichtert!

Die letzte Herausforderung des Tages

Der letzte große Berg wurde uns zum Verhängnis. Das Bike konnte die Steigung nicht mehr erklimmen. Da half kein erster Gang, Anschieben, Warten oder Hoffen. Wir steckten bei der Dämmerung im Tal fest. So war das alles nicht geplant. Schon eine Stunde vor der Dämmerung begannen wir nach Gästehäusern Ausschau zu halten. Doch zwei Stunden vorher hatten wir das Letzte gesehen. Im Tal war, außer ein paar Männern in einer kleinen Hütte ohne Elektrizität, nichts.

Vang Vieng

Die Dämmerung bricht herein

Wir hatten Glück im Unglück. Die Jungs aus der Hütte kamen uns zu Hilfe und versuchten ihr Bestes, um unsere Schrottkarre wieder in Gang zu bekommen, doch es war vergebens. Inzwischen war es stockfinster, so dass die Jungs entschieden, uns und unser Gepäck zum nächsten Resort zu fahren, welches nur einen Kilometer entfernt lag. Unsere freundlichen Helfer brachten das Bike, festgebunden an einem anderen Bike, zum Resort. Ich war froh, dass wir nicht ohne Zelt oder Schlafsack eine Nacht am Straßenrand verbringen mussten. Die Frau, die das Resort führte, versprach uns einen Mechaniker für den nächsten Tag, gab uns ohne Umstände Speis, Trank und Unterkunft.

Danke an alle, die uns an diesem Tag geholfen haben!

…Ob wir das Motorrad wieder zum Leben erwecken können, lest ihr bald im dritten Teil der Motorradodyssee.

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Franziska

Franziska

Hallo, ich bin leidenschaftliche Autorin, Fotografin und Reisende. Was ich erlebe und wie ich darüber denke, kannst du hier auf dem Blog verfolgen.

2 Comments

  1. Ach Du Schreck, was macht Ihr alles mit. Eine Mopedtour mit einem schlechten Bike ist natürlich das Letzte, was man sich wünscht. Dabei möchte man doch nur die Landschaft, Orte und Menschen genießen. Was ein Glück, dass Euch nichts passiert ist. Das ist überhaupt das Wichtigste, gesund zu bleiben. Der Rest ist ersetzbar und wenn Ihr schon jetzt alles Pech verbraucht hat, wird nun bestimmt alles wieder gut. Ich drücke Euch fest die Daumen! LG Bianca

    • Hi Bianca, da hast du vollkommen Recht! Gesundheit ist das wichtigste und wir sind froh, dass uns bei dem Unfall nichts Schlimmeres passiert ist. Als wir in der Dämmerung liegengeblieben sind, waren wir (vorallem ich) schon sehr verzweifelt. Aber es gibt immer tolle Menschen, die einem aus der Patsche helfen! Liebe Grüße!

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