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Hue oder das Leben der kleinen Leute

Kennst du das, wenn dir jemand ungefragt Tipps zu den besten Sehenswürdigkeiten oder Touren gibt? Du denkst schon, das klingt zwar toll, aber das würde meinen Plan komplett durcheinander werfen und ich hatte mir doch dies und das vorgenommen…

Manchmal schaffst du es aber wirklich spontan zu sein und all die Pläne über den Haufen zu werfen, die dir der Reiseführer aufzwingt. Wenn du auf einmal „ja“ sagst zu deiner Reise, dann kann Neues passieren. Du schaust, was jetzt passiert. Ganz in der Hoffnung, dass alles gut gehen wird. Das haben wir in Hue gemacht.

Einfach mal entführen lassen

Fahrrad

Lastenfahrrad

Wir stehen mit unserem gemieteten Scooter an der Ampel und warten darauf, dass es grün wird, damit wir zur Grabstätte des Tu Duc am Luu-Khiem-See fahren können. Plötzlich fragt uns die Frau auf dem Scooter nebenan, wohin wir wollen. Das ist zunächst nichts ungewöhnliches, weil wir häufig gefragt werden, wo es denn hin gehen soll. Oft bekommen wir nach unserer Antwort noch hilfreiche Tipps zu den Öffnungszeiten und besonders schönen Plätzen, die wir uns unbedingt anschauen müssen. So war es auch diesmal. „Fahrt nicht zu Tu Duc, da wird gerade gebaut. Schaut euch lieber die Grabstätte von Minh Mang an, die ist viel schöner und liegt bei mir in der Nähe. Ich zeige euch den Weg.“ Sollten wir nun der Ortsansässigen, die uns vielleicht nur zu einem Händler locken will, oder dem Lonely Planet vertrauen?

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Tor in der Grabstätte des Minh Mang

Wir waren neugierig und wollten uns auf ein kleines Abenteuer einlassen, also fuhren wir der Frau hinterher. Roy (die Frau auf dem Scooter) fuhr mit uns zu der wirklich schönen Grabstätte des Minh Mang, die außerhalb von Hue im Grünen liegt. Sie wartete dort auf uns und lud uns anschließend in ihr Haus ein. Wow, das war aufregend. Ich wollte schon die ganze Zeit über mal sehen, wie die normalen Vietnamesen wohnen und jetzt bekam ich die Chance dazu. Mit ihr zu fahren war bis jetzt eine sehr gute Entscheidung. Dankend nahmen wir die Einladung zum anschließenden Tee an.

Manchmal wollen sich die Einheimischen mit uns unterhalten, um ihr englisch zu testen. Manchmal interessiert es sie, wo wir herkommen und was wir schon von ihrem Land gesehen haben. Und manchmal wollen sie Geld. Roy wollte alle drei Dinge.

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Roy mit uns beim Tee

Von Gastfreundlichkeit zum Geschäftlichen

Wir sprachen über ihr hartes Leben als Bäuerin und die Ausbildung ihrer Kinder, die für sie schwer zu finanzieren ist. Roy lebt in einer sauberen Holzhütte in einem Dorf nahe Hue. Sie hat 2 Kinder, die sich ein kleines Zimmer teilen und sie hat einen Fernseher. Das war´s. Keine Klimaanlage, keinen Platz, keinen Luxus. Das Leben hier ist harte Arbeit und um das Familieneinkommen aufzubessern, werden eben auch ein bisschen Touristen angequatscht. Die kommen dann in ihr Haus, trinken Tee und lassen hoffentlich ein bisschen Geld da.

Nach einer halben Stunde spricht uns Roy direkt auf ihre finanzielle Situation an. Ob wir ihre Familie nicht mit ein paar Dong unterstützen können? Ich nehme ihr diese Frage nicht übel, vielmehr habe ich sie erwartet. Ich sehe, dass ihr Lebensstandard niedriger ist als meiner. Das weiß sie auch. Deswegen hat sie den Mut mich nach Geld zu Fragen. Sie bettelte nicht um Almosen, sondern hat uns als ein persönlicher Guide den Tag über begleitet und dafür sind wir natürlich bereit zu zahlen. Wir haben sozusagen eine Dienstleistung eingekauft, der wir uns anfänglich nicht bewusst waren. Als Abzocke empfinde ich das nicht, weil Roy das Geld mit großer Wahrscheinlichkeit noch besser gebrauchen kann als wir. Eine Masche ist es aber auf jeden Fall. Eine sehr schöne und persönliche Masche, in die ich mich gerne einwickeln ließ.

Es war merkwürdig zu sehen, wie hier aus Gastfreundlichkeit ein Geschäft geworden ist. Spätestens bei der Einladung zum Tee war uns klar, dass es hier nicht nur um einen kostenlosen Ratschlag ging.

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Tordetail aus der Kaiserstdt in Hue

Wir haben Gastfreundlichkeit aber auch schon anders erlebt. Zum Beispiel in Thanh Hoa als uns eine Studentin und ihre Freundinnen zum Abendessen einluden. Das recht teure Essen durften wir nicht bezahlen. Sie wollten das Geld nicht annehmen. Scheinbar ging es ihnen nur darum mit den Ausländern ein bisschen zu plaudern. Das war unser erster Abend in Vietnam. Wir wurden unglaublich freundlich empfangen und fühlten uns in Vietnam bis zum Tag der Abreise ziemlich wohl. Ich denke, wir werden wieder kommen.

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Durchgang in der Grabstätte des Minh Mang

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Tür in der Grabstätte des Minh Mang

Statue

Statue in der Grabstätte des Minh Mang

See

See in der Grabstätte des Minh Mang

Grab Khai Dinh

Grabstätte des Khai Dinh in der Dämmerung

Lampions

Brücke in Hue mit Lampions

Welche Abenteuer mit Beigeschmack hast du auf Reisen schon erlebt? Würdest du es wieder tun?

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Franziska

Franziska

Hallo, ich bin leidenschaftliche Autorin, Fotografin und Reisende. Was ich erlebe und wie ich darüber denke, kannst du hier auf dem Blog verfolgen.

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