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Mein erster Schnorchelausflug

Wassersport und ich: Das passt nicht zusammen

  1. Ich habe Angst vor tiefem Wasser (das ist ab da, wo ich nicht mehr stehen kann).
  2. Salzwasser in den Augen und im Mund finde ich nicht so toll.
  3. Meterhohe Wellen, die drohen, mich wie eine Flipperkugel umher zu schleudern, lösen eine leichte Panik in mir aus.

Diese und viele weitere Gründe habe ich parat, wenn Raphael fragt, ob ich nicht doch mal mit ihm tauchen gehen möchte. Oder Surfen. Oder noch besser: Kitesurfen. Ich überlege kurz und winke dann ab. An einsamen Stränden Muscheln sammeln oder auf´s Meer schauen, ist eher etwas für mich.

Ich und die Arielgeneration

Schwarm

Das ist Julian, der die Fische um sich schart.

Nur vor einigen Wochen auf Pulau Perhentian Kecil, einer Insel an der Ostküste der malaiischen Halbinsel, war es anders. Im badewannenwarmen, glasklaren Wasser, das die Insel umgibt, konnte ich zahlreiche Fische schon vom Strand aus erkennen. Diese farbenfrohe Unterwasserwelt faszinierte mich und auf einmal wollte ich von einem Fischschwarm umkreist werden und dabei die Sonnestrahlen durch die Wasseroberfläche brechen zu sehen. Jaja, das klingt super kitschig, aber so ist es nun mal bei mir, der Ariel-Generation.

Zusammen mit Julian, Raphaels Bruder, der uns für einige Wochen begleitete, buchten wir einen Schnorchel-Trip, der uns per Boot in einer Gruppe an 5 verschiedene Schnorchel-Orte führte. Tauchermaske, Schnorchel und Flossen waren inklusive, nur T-Shirt und kurze Hose, die als Sonnenschutz während des Schnorchelns unerlässlich sind, brachten wir selber mit. Solche Trips bekommt man überall auf der Insel angeboten und sie scheinen bei Touristen recht beliebt zu sein.

Du kannst nicht schwimmen? Kein Problem

Franzi & Raphael

Raphael und Franzi

Auf der Tour waren wir an vielen mit Bojen eingekreisten Schnorchel-Orten, die gleichzeitig von 3 – 6 Booten angefahren wurden. Das hat mit Unterwasserromantik nicht mehr viel zu tun. Vor allem dann nicht, wenn der Unterwassermassentourist mit seinen Füßen auf den Korallen herumlatscht, weil er ohne Schwimmweste nicht über Wasser bleiben kann. Ich hatte es nicht für möglich gehalten, aber auch ohne Schwimmkenntnisse kann man Schnorchel- und Tauchausflüge buchen. Dass man dann relativ unkoordiniert und planlos im Wasser herum strampelt, ist natürlich vorprogrammiert. Mein Tip, wenn ihr nicht ständig einen Tritt von euren Gruppenmitgliedern abbekommen wollt: sucht euch eine Gruppe, die nicht ausschließlich aus Asiaten besteht. Ich weiß nicht warum, aber ich habe bisher immer nur Asiaten gesehen, die mit Schwimmweste ins Wasser gehen.

Das grausige Schildkrötenspektakel

Schildkröte

Dieses Bild stammt von einem Tauchausflug von Raphael, aber die Schildkröte ist vergleichbar.

Eines der Schnorchel-Highlights, eine riesige Schildkröte, habe ich verpasst, weil ich mich nicht in die Nähe eines menschlichen Schwarms traute, der wie ein riesiger Flaschenkorken im Wasser trieb. Von oben sah alles friedlich aus. Jeder der Schwimmwestenträger hatte auf der Suche nach dem Highlight das Gesicht ins Wasser hängen lassen. Nur unter Wasser erahnte ich den Krieg um die erste Reihe im Schildkrötenspektakel. Die einzige Möglichkeit, um nicht mit blauen Flecken übersät zu werden, war es, unter dem Menschenschwarm hindurch zu tauchen. Raphael war so mutig und wurde mit einem Blick auf die Schildkröte belohnt.

Unterwassermassentourismus

Nemo

Ich habe ganz viele Nemos gesehen

An diesem Tag habe ich unendlich viele, wunderschöne Fische in den verrücktesten Farben und Formen gesehen. Für mich war es ein besonderes, aber zweifelhaftes Erlebnis. Sicherlich ist Pulau Perhentian Kecil ein toller Ort, um sehr viele verschiedene Fische in kurzer Zeit in warmen, klarem Wasser sehen zu können. Aber dieser Andrang an den einzelnen Schnorchel-Orten war doch krass.

Ich habe mich immer gefragt, wie und warum Taucher und Schnorchler Riffe zerstören können. Ich dachte, da bricht sich jeder ein Stück von den Korallen ab und nimmt es als Andenken mit nach Hause. Ich dachte, die Treibstoffreste der Boote und der Müll der Touristen würden Riffe zerstören. Wahrscheinlich sind das aber nur Teile des Problems. Jede, der an so einem Ausflug teilnimmt, will natürlich die schönsten Fische sehen, aber müssen wir soweit gehen, dass eine Hetzjagd nach einer einzigen Schildkröte ausbricht?

Unterwasser

Unterwasserwelt

Würde ich so einen Ausflug wieder machen? Gute Frage. Kann es denn beim Schnorcheln so etwas wie nachhaltigen (Massen)Tourismus geben, der nicht die Tiere und Pflanzen traumatisiert und zerstört?

Ich habe mich vor 2 Tagen mit einer jungen Amerikanerin, die hier auf Bali mit einer Organisation das Korallenriff schützen möchte, über diese Frage unterhalten. Sie sagte, dass die Hauptverantwortung für den Schutz der Unterwasserwelt bei der lokalen Bevölkerung liegt. Die Locals müssen darüber entscheiden wieviele Anbieter unter welchen Umständen Touren machen dürfen.

Aber was kann ich als Tourist dann tun? Ich trage doch auch Verantwortung. Ja, sagte sie, du musst dir den richtigen Touranbieter raus suchen.

Was denkt ihr? Muss ich mich (als Reisender mit kleinem Budget) in Zukunft zwischen einem besonderen Erlebnis und dem guten Gewissen entscheiden? Und wenn ich die billigen Touren nicht mehr mache, ist das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein der Umweltzerstörung, weil ich die Einzige bin, die am Beckenrand sitzen bleibt?

Pulau

Blick aufs Meer von unserer Unterkunft auf Pulau Perenthian

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Franziska

Franziska

Hallo, ich bin leidenschaftliche Autorin, Fotografin und Reisende. Was ich erlebe und wie ich darüber denke, kannst du hier auf dem Blog verfolgen.

2 Comments

  1. Liebe Franziska, ein toller Bericht, der genau meine Erfahrungen wider spiegelt. Auch ich war auf den Perhentians und noch einige andere Destinationen. Thailand. Es ist ein Graus, was dort veranstaltet wird. Insbesondere die Asiaten sind da absolut beratungsresistent. Ich mache sowas nicht mehr mit und ich hoffe, viele andere auch nicht.
    Viele Grüße

    • Hallo Hannelore, diese fragwürdige Methoden der Touranbieter scheinen ja ziemlich verbreitet zu sein. Hoffentlich sind noch viele andere Reisende genauso schockiert wie wir und nehmen Abstand von diesen Angeboten, damit sich die Korallen und Schildkröten wieder erholen können.

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