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Auf dem Dieng-Plateau mit Hello Kitty

Der gemeine Backpacker hat es nicht so mit typischen Touristenattraktionen. Er ist eher bei den Aktivitäten mit Fun-Faktor zu finden. Hier eine Party, dort ein Strandtag. Inselhoping wird groß geschrieben, denn als Backpacker sollte man unbedingt alles gesehen haben. Darum geht es doch beim Reisen, dass man alles mal gesehen hat, oder? Und weil man eben auch alles mal gemacht haben muss, gibt es spontan noch einen Bungeesprung. Aber woher kommen diese ganzen auf Backpacker zugeschnittenen Attraktionen? Und finden die Einheimischen Ziplining genauso lustig?

Eine Auszeit vom Reiseland – Das Backpackerghetto

Auch wir, als Backpacker, reisen am liebsten durch ein Land, das keiner kennt, welches dafür aber gute Infrastruktur besitzt und die notwendigsten westlichen Produkte, wie Oreo-Cookies, verkauft. Auf unserer Reise durch SOA fanden wir es angenehm, die fragwürdigen Errungenschaften der westlichen Gesellschaft auch in unserem Reiseland wiederzufinden. Diese Auszeit haben wir gerne genutzt, obwohl das mit Reisen (geschweige denn Abenteuer) nicht mehr viel zu tun hat. Diese flauschig-weiche Wattewelt ist abwechslungreich, aber auch nur für ein paar Tage erträglich.

Franzi

Franzi vor dem Kratersee

In Yogyakarta landeten wir in eben jener vom Tourismus geprägten Gegend, in der man kaum Einheimische trifft, die nicht perfekt Englisch sprechen. Dem Backpackerghetto wollten wir schnell wieder entfliehen und erkoren das Dieng-Plateau zum nächsten Stop aus. Die Beschreibung der nahegelegenen Hochebene fanden wir ziemlich viel versprechend: „Eine windgepeitschte Vulkanlandschaft, umherwirbelnde Wolkengebilde, grüne Hügel, Nebel und Dunst sowie uralte Ruinen“.

Selfie, Selfie, Selfie

Dampf

Der stinkende Dampf ist meterweit zu riechen.

Der Vulkankrater Kawah Sikidang mit seinem blubberndem, stinkingem See Telaga Warna war das absolute Highlight für uns und die einheimischen Besucher, aber aus unterschiedlichen Gründen. Während Raphael und ich den vermüllten, stinkigen See bestaunten, blieben die asiatischen Besucher eher vor den „Nebenattraktionen“ stehen, denn der Weg zum Kratersee war gepflastert mit zirkusähnlichen Attraktionen. So konnte man Selfies mit Eulen oder Pferden machen. Für Adrenalin-Junkies gab es Fahrräder und Motorräder, um damit den Krater hinauf zu rasen. Die Durchschnittsfamilie konnte sich an einem der zahlreichen Stände Dekoartikel und Snacks kaufen. Ist das Handy erst einmal gezückt, bietet sich natürlich auch ein Foto mit den deutschen Touristen an.

Hello Kitty gegen Tempelruine

Hello Kitty

Wer kennt sie nicht?

Am nächsten Sightseeingspot, dem Arjuna-Tempel fand das amüsante Trauerspiel (für uns) seinen Höhepunkt. Hello Kitty und andere Werbefiguren warteten hier auf Besucher mit ihren Selfie-Sticks. Die kamen auch zahlreich. Eine Gruppe Asiaten um die 30-50 Jahre ließ es sich nicht entgehen, für ein paar indonesische Rupiah Bilder mit Hello Kitty zu schießen. Dazu standen und lagen sie breit lächelnd verteilt um die Hauptdarsteller und warteten bis jeder in der Gruppe sein Foto gemacht hatte. Es war ein typischer Sonntagsausflug, bei dem die Zahl der angebotenen Attraktionen proportional zum eigenen Vergnügen steht. Dass die eigentliche Attraktion, nämlich die Tempelruine, dabei kaum noch Beachtung fand, war für mich genauso irritierend wie beeindruckend.

Ist das Vergnügen?

Fotomodel

Foto mit Tourist

Woher kommt es, dass besonders in Hill Stations (Orte, die in großer Höhe liegen und daher vergleichsweise kühleres Klima bieten) den Natur-und Kultursehenswürdigkeiten von Fahrgeschäften, Imbissen und Schaustellern der Rang abgelaufen wird? Sind Orte wie Mount Abu in Indien und das Dieng-Plateau in Indonesien eine günstigere Alternative zum Vergnügungspark?

Und wie sieht es im asiatischen Disneyland mit den Backpackern aus? Außer ein paar Wanderer haben wir in Hill Stations selten Touristen getroffen. Scharen von Backpackern scheinen es unterhaltsamer zu finden, irgendwo in Asien mit einem Seil von einer Brücke zu springen oder an einer Zipline über Abhänge zu fahren.

Walkway

Stände und Attraktionen, im Hintergrund der dampfende Kratersse

Die Backpacker und die Einheimischen suchen für ihren Zeitvertreib und zum Konsum sehr unterschiedliche Orte auf, die sich nur wenig überschneiden. Und das nicht ohne Grund, denn was die Einen aus ihrem westlichen Alltag kennen (die ständige Gegenwart von Marken- und Werbeprodukten, die man sich auch finanziell leisten kann/könnte) liegt für die Anderen noch in der Zukunft. Besonders beim Reisen spürt man, dass Vergnügen ein sehr subjektives Erlebnis ist, das finanziell und auch kulturell geprägt ist. Deswegen bin ich zwar irritiert, wenn mir jemand für ein paar indonesische Rupiah ein Foto mit einem Pferd anbietet, aber ich finde es auch amüsant. Ich werde es nie unterhaltsam finden, mit einer riesigen Hello Kitty Figur ein Selfie zu machen und es fällt mir schwer das Vergnügen daran zu sehen, aber darum Reisen wir ja schließlich. Um jeden Tag wieder vor den Kopf gestoßen zu werden, wenn wir denken, wir haben endlich verstanden wie Asien funktioniert. Wie kleine Kinder schauen wir mit großen Augen in die Welt und sind immer wieder erstaunt.

Dieng

Der Kratersee im Dieng-Plateau

Eule

Selfie mit Eule

Müll

Der vermüllte Kratersee

Pferd

Selfie mit Pferd

Raphael

Der Geruch des Sees kam faulen Eiern ziemlich nah

Kappelle

Musikkapelle

Models

Posieren vor dem Schriftzug

Ruinen

Die Tempelruinen

Schild

Sanrise und Sanset

Angeln

Müll angeln oder Eier kochen?

Eule

Eule ohne Selfie

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Franziska

Franziska

Hallo, ich bin leidenschaftliche Autorin, Fotografin und Reisende. Was ich erlebe und wie ich darüber denke, kannst du hier auf dem Blog verfolgen.

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