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Ich drehe eine Kletterdoku im Himalaya! Hier ist der Plan:

Bis vor kurzem musste ich noch über alle Details dieser Himalaya-Expedition schweigen. Nun aber wurde das Schweigegelübde gelockert und ich möchte jetzt in allen Einzelheiten erzählen, woran ich in den nächsten Monaten arbeite.

Um die gesamte Geschichte zu erzählen, muss ich etwas früher einhaken:

Als Franzi und ich Anfang 2016 von unserer Weltreise nach Deutschland zurückkehrten, befanden wir uns beide in einem Zustand der Ungewissheit. Was sollten wir tun? Wie geht es nun weiter? Wir waren uns beide sicher, dass wir noch viele abenteuerliche Reisen machen wollten, trotzdem suchten wir nach einer neuen Basis, einem neuen Sinn. So begann Franzi eine Umschulung und ich bewarb mich als Masterstudent im Fach Mediengestaltung bei der Bauhaus-Uni Weimar.

Nach vielen tollen und kreativen Projekten während des Wintersemesters wurde ich jedoch unruhig. Wann sollte es wieder los gehen? Würde ich das ganze Jahr 2017 in Deutschland verbringen? Tatsächlich spielte ich mit dem Gedanken im Sommer ein paar Monate in Nepal zu verbringen. Franzi war dieser Idee ebenfalls nicht abgeneigt, sie brachte aber noch ein paar Alternativvorschläge.

Wie es der Zufall will, plante der Bergsteiger Jost Kobusch gerade eine neue Expedition in den Himalaya. Diesmal wollte er versuchen, den Nangpai Gossum 2, einen unbestiegenen ca. 7300m hohen Gipfel, alleine zu besteigen. Das Beste war, dass er noch einen Filmemacher suchte, der ihn für diese Expedition begleiten sollte.

Um 4 Ecken

Über Freunde von Freunden von Freunden (usw.) kamen Jost und ich in Kontakt. Wir trafen uns zum Klettern in der Chemnitzer Kletterhalle und tauschten uns über unsere Erfahrungen und Vorstellungen aus. Nach ein paar Tagen Bedenkzeit für mich, Jost und die Sponsoren war es soweit. Ich bekam einen Anruf von Jost, in dem er mir mitteilte, dass er mich gerne als Expeditions-Kameramann dabei hätte.

Jost und ich beim Drohnentest

Natürlich war ich voll aus dem Häuschen als ich diese Nachricht bekam. Meinen Outdoor-Livestyle mit meiner Filmer-Karriere zu verbinden war wohl die coolste Möglichkeit, die ich seit langem bekommen hatte.

Zu einem lächelnden Auge gesellte sich aber auch ein Weinendes, denn dieser Job bedeutete, dass ich Franzi für zwei Monate nicht sehen würde. Als wir darüber sprachen sagte sie sofort, dass ich mitgehen solle. Diese Gelegenheit biete sich so schnell nicht wieder und zwei Monate sind auch kein Weltuntergang. So bestätigte Franzi nicht nur, dass ich ohne schlechtes Gewissen losziehen konnte, sondern auch was ich für ein riesiges Glück habe, eine so tolle Partnerin zu haben.

 

Kurz vor Knapp

Gimbal Check

Da die endgültige Zusage für dieses Projekt erst ein paar Wochen vor dem geplanten Abflug kam, wurde diese Zeit etwas hektisch. Ich musste noch meine Semesterarbeiten fertigstellen, war auf der Hochzeit meines besten Freundes in Österreich eingeladen und wollte noch soviel Familie und Freunde wie möglich besuchen. Zusätzlich organisierte ich noch meine Ausrüstung und fehlendes Filmequipment, das für diesen Dreh von Nöten sein würde. Zwar trafen Teile des Equipments nicht mehr rechtzeitig ein, doch das Wichtigste war bereit.

Ein paar Tage vor Abflug traf ich mich mit Jost, um ein paar Vorbereitungsszenen zu drehen und meine Outdoorausrüstung zu checken. Schnell wurde klar, dass mein Equipment höchstens für das europäische Mittelgebirge geeignet war. Also öffnete Jost seinen Schrank und deckte mich mit Klamotten seines Sponsors „BlackYak“ ein.

Drehen der Rope-Soloing Szenen

Das soll passieren:

Wir entschieden uns, dass während der zweimonatigen Expedition ein Film entstehen soll, der die Qualitätsansprüche von internationalen Outdoorfilm-Festivals übersteigt. Einige meiner Kommilitonen haben sich bereits bereit erklärt, in der Postproduktion des Filmes zu helfen, weshalb ich größte Erwartungen an das Endergebnis habe.

Der Plan der Expedition sieht wie folgt aus:

Nachdem wir ein paar Tage in Kathmandu verbrachten, um einige organisatorische Hindernisse zu bewältigen, sollte es mit dem Flugzeit nach Lukla gehen. Dieser Flughafen mag so manchem bekannt sein, da er als einer der weltweit gefährlichsten Flughäfen gilt. Aufgrund der kurzen Landebahn, die zwischen dem Berghang und einer Klippe eingepfercht ist, hat der Pilot nur einen Versuch, sobald er sich für eine Landung entscheidet.

Vom ca. 2800 m hohem Lukla wandern wir innerhalb einer Woche nach Gokyo, was auf ca. 4700m liegt. Dort werden wir fast 10 Tage verbringen, um uns an die Höhe zu gewöhnen und zu akklimatisieren. Nach der Akklimatisierungsphase soll es über den Renjo La, einem ca 5400m hohem Gebirgspass nach Lungare gehen. Dort werden wir das Supportteam treffen, das unser Basislager und restliche Ausrüstung mit Yaks transportiert. Ein weiterer Marsch wird folgen, bis wir in der Nähe der chinesischen Grenze das Basislager aufschlagen werden.

Doch nun kommt das Wichtige:

Jost ist ein Solo-Bergsteiger. D.h., dass er über dem Basislager keine fremde Hilfe haben wird und komplett auf sich alleine gestellt ist. Ich selbst werde nicht in die Kletterroute einsteigen und Jost lediglich an den Bergfuss begleiten. Ehrlich gesagt bin ich froh darüber, da ich als Sportkletterer aus der Frankenjura noch nie in derartigen Höhen geklettert bin. Außerdem hat mir Jost verboten, ihm bei der Equipment-Schlepperei vom Basecamp zum Wandfuss zu helfen, da dies nicht in seinen angestrebten „reinen Stil“ passen würde. Nun gut, auch damit kann ich leben. Ich habe ohnehin genug Filmequipment zu tragen. Ich werde versuchen, so viele Shots wie möglich mit einem Riesen-Teleobjektiv zu machen. Für die Shots in der Wand selbst, wird dann Jost verantwortlich sein.

Selbst die Ziegen bleiben lieber im Trockenen.

Welche Hindernisse gibt es für mich zu überwinden?

Als allererstes muss ich mein Filmequipment so effektiv wie möglich wählen. D.h. wenig Gewicht, trotzdem maximale Qualität. Ich werde es nämlich mehrere Wochen auf dem Rücken herumschleppen.

Da wir in der Monsun-Season starten, werden wir des Öfteren in Wolken, Nebel und Regen geraten. Das Equipment muss also etwas Feuchtigkeit abkönnen. Falls die Kamera irgendwann den Dienst verweigern sollte, würde meine Anwesenheit überflüssig werden.

Zusätzlich muss ich mit der Höhe klar kommen. Ich habe mich noch nie in derartige Höhen begeben und bin gespannt, wie mein Körper auf die Druck- und Sauerstoffgehaltsveränderungen reagieren wird.

Am schlimmsten werden wohl die Wartezeiten in der Akklimatisierungsphase. Ich kann meinen Körper nicht zwingen, sich schneller an die Höhe zu gewöhnen, also muss ich mich im Warten üben. Zwar will ich versuchen, die mehrere Wochen lange Wartezeit sinnvoll zu überbrücken, doch wenn es gerade nichts zu tun gibt, werden sich die Minuten in Stunden verwandeln. Bei schlechtem Wetter kann es sein, dass ich mehrere Tage am Stück in meinem Zelt verbringe.

Vielleicht ist es garnicht so schlecht, sich in Geduld zu üben. Unsere Gesellschaft ist ja sowieso sehr schnelllebig, weshalb eine Weile der Rückbesinnung ganz gut sein könnte.

 

Stay in touch

Solange es eine Internetverbindung gibt, werde ich versuchen, Kontakt mit der Außenwelt zu halten.
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Raphael

Raphael

Hi, seit Oktober 2014 bin ich mit Franzi in Indien und Südostasien unterwegs. Ich bin der Videomacher und Freizeitabenteurer. Du kannst mir auch auf Twitter folgen.

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