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Der Beginn der Einsamkeit – Die ersten Tage einer Expedition

Gokyo, Himalaya, 4700m ü.N.N, 5:30 am.

Ich stehe vor dem Bad und putze meine Zähne. Tatsächlich stehe ich lieber davor als darin. Dort gibt es nämlich nur eine Kloschüssel und eine 60 Liter-Tonne mit Wasser zum Spülen. Sich wie gewohnt beim Zähneputzen im Spiegel anzuschauen war nicht möglich. Außerdem bringt mich der Geruch dazu, diesen Raum nur in äußersten Notfällen zu betreten. Ich habe meinen 18kg schweren Rucksack bereits fertig gepackt und stehe kurz davor einen der höchsten Pässe unserer Reise zu überqueren. Der Renjo-La führt uns einen weiteren Tagesmarsch nach Westen und nötigt uns, seinen 5400m hohen Sattel zu überqueren. Wenn wir auf der anderen Seite ankommen, werden wir am Folgetag unser Basecamp Team in Lungde oder Arye auf ca. 4400m ü.N.N. treffen.

 

Doch zuerst gilt es den Renjo-La zu bezwingen. Entlang des malerischen Sees von Gokyo windet sich ein Trampelpfad angenehm leicht auf und ab. Ab und zu steht eine kleine Herde Yaks auf dem Weg, die mich mit kritischem Blick mustert. Ich blicke ebenfalls kritisch zurück und versuche einige Meter Abstand zwischen mir und die Yaks zu bringen, bevor ich sie passiere. Während ich vorbeilaufe, behalte ich sie im Augenwinkel. Zwar sind das generell friedliche Tiere, aber man kann nie wissen, ob sich hinter der nächsten Kurve ein kleines Yak versteckt, dessen Mutter dann in wildem Verteidigungswahn in den Angriffsmodus übergeht.

Einige Stunden später, nach langem Aufstieg über Stein und Geröll, sitzen wir am höchsten Punkt des Renjo Passes und machen Mittagspause. Pistazien und Kokosnuss-Kekse stehen heute auf dem Speiseplan. Ich bin froh, es bis hier her geschafft zu haben, trotzdem freue ich mich nicht auf den Abstieg auf der anderen Seite. Steile Abstiege mit schwerem Gepäck gehen mir sehr auf die Knie, obwohl meine Knie seit Anbeginn der Expedition viel stärker geworden sind. Trotzdem müssen sie die Stöße abfangen, die beim Herunterlaufen entstehen. Je mehr Gepäck auf dem Rücken, desto mehr müssen die Knie also abfangen.

In Gokyo bekam ich einen Gebetsschal geschenkt, den ich auf dem Sattel des Renjo Passes aufhängen sollte.

Der Abstieg gestaltet sich panoramaartig. Ab und zu klart die Wolkendecke auf und beleuchtet ein paar der eiskalten Bergseen. Ich bin fast versucht ein kurzes Bad zu nehmen. Nachdem ich die Hand ins Wasser gehalten habe, überlege ich es mir trotzdem anders.

 

Der Tagesmarsch ins Basecamp stellt wieder neue Herausforderungen. Die Expedition geht zu einem unbestiegenen Berg. D. h. es gibt keine Wege, die eindeutig als solche identifiziert werden konnten. Man versucht eher in den ausgetretenen Spuren von freilaufenden Yaks in die richtige Richtung zu gehen.

Täglich grüßt das Yak. Kurz vor dem Start von Arye ins Basecamp.

 

Ich lebte ziemlich genau einen Monat im Basecamp. Jost verbrachte immer ca. 5 Tage an der Wand und kam dann zur Regeneration ca. 3 Tage zurück ins Basecamp. Während ich meine Zeit allein im Basecamp verbrachte, entschied ich mich, ein kleines Videotagebuch zu führen. Dieses werde ich in den nächsten Monaten Stück für Stück veröffentlichen. Hier könnt ihr bereits die erste Episode sehen 🙂

 

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Raphael

Raphael

Hi, seit Oktober 2014 bin ich mit Franzi in Indien und Südostasien unterwegs. Ich bin der Videomacher und Freizeitabenteurer. Du kannst mir auch auf Twitter folgen.

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